07.02.2018

Ernährungstipps bei Krebs

200.000 Menschen erkranken laut der deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr in Deutschland an Krebs. Viele dieser Betroffenen fragen sich, wie sie sich am besten ernähren können. Wir geben Patienten Tipps für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unter den besonderen Bedingungen einer Krebstherapie.

Die häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland sind Dickdarm-, Lungen-, Magen- und Brustkrebs. Verschiedene Umweltfaktoren und die Ernährung scheinen bei der Entstehung von Krebs eine große Rolle zu spielen. Je nach Studie variiert der Prozentsatz zwischen 85 und 95 Prozent.

Eine Krebsdiät gibt es nicht

Ob eine bestimmte Diät einem Wiederauftreten der Erkrankung – dem sogenannten Rezidiv – vorbeugen kann, sehen Fachleute eher kritisch. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt aber eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung vieler Krebserkrankungen. Eine spezielle Krebsdiät gibt es allerdings nicht. Das Angebot an solchen fragwürdigen Diäten ist riesig. Häufig sind solche Diäten sehr einseitig, teilweise sogar belastend für den Erkrankten und die Effekte sind fraglich. Das Tumorzentrum München zeigt auf www.krebsinfo.de auf, dass manche dieser Diäten sogar schaden können.

Gewichtsverlust und Mangelernährung

Häufige Folgen einer Krebserkrankung sind Mangelernährung und der Abbau von Fett- und Muskelmasse, die sogenannte Tumorkachexie. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ist die Hälfte aller Krebspatienten mangelernährt. Die Betroffenen möchten essen, können aber nicht. Grundsätzlich gilt: Auch wenn es schwer fällt, bei einer Krebserkrankung sollte man versuchen, sich möglichst ausgewogen und vitaminreich zu ernähren. Es sollten viele frische Pflanzenprodukte und Ballaststoffe, Vollwertkost sowie viel Obst und Gemüse gegessen werden. Auch während der Behandlung gilt der Leitsatz der deutschen Gesellschaft für Ernährung fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen. Welche Ernährung im Einzelfall die richtige ist, hängt entscheidend von der individuellen Situation ab. Krebsart, Stadium sowie weitere Begleitumstände (z. B. Chemo- oder Strahlentherapie) beeinflussen die Nahrungsaufnahme.

Nebenwirkungen von Krebstherapien

Während einer Chemotherapie treten häufig Übelkeit und Mundtrockenheit auf. Es wird weniger Speichel gebildet, was zu Kau- und Schluckbeschwerden oder entzündeten Schleimhäuten führen kann. Bei einer Hals-/Kopfbestrahlung sind die Beschwerden oft ähnlich. Erfolgt die Bestrahlung im Bauchraum, reagieren die Patienten eher mit Durchfällen und Verstopfungen sowie Darm- und Blasenentzündungen. Viele Patienten verlieren während der Therapie ihren Appetit. Lieblingsspeisen schmecken plötzlich nicht mehr und der Geschmackssinn verändert sich. Häufig verursachen die Medikamente einen metallischen Geschmack im Mund. Abstellen lassen sich diese Nebenwirkungen leider nicht ganz, aber man kann versuchen, sie zu lindern. Medikamente sollten z. B. möglichst nicht vor dem Essen eingenommen werden. Außerdem kann es Wechselwirkungen u.a. mit Koffein, Zitrusfrüchten, Johanniskraut, Alkohol oder Kalzium geben. Verzichten Sie dann auf diese Produkte.

Tipps gegen die Appetitlosigkeit

  • Nehmen Sie mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich – d.h. fünf bis sechs kleinere Portionen –
    anstatt drei große Mahlzeiten.
  • Essen Sie häufiger Ihre Lieblingsgerichte.
  • Trinken Sie ungesüßte bitterstoffhaltige Teesorten wie Beifuß, Salbei oder Enzianwurzel und magenfreundliche Tees, auch als Fertigmischung.
  • Haben Sie Snacks und Knabbereien – auch unterwegs – immer griffbereit.
  • Probieren Sie auch neue Kochrezepte aus.

Tipps bei Schleimhautentzündungen sowie Kau- und Schluckbeschwerden

  • Lutschen Sie Bonbons, kauen Sie Kaugummi oder benutzen Sie Sprays mit synthetischem Speichel.
  • Vermeiden Sie scharf gewürzte und zu heiße Speisen.
  • Trinken Sie keine Fruchtsäfte mit hohem Fruchtgehalt.
  • Achten Sie auf verstärkte Mundhygiene, d.h. gurgeln Sie öfters mit antibakteriellen Lösungen ohne Alkohol und putzen Sie die Zähne mit einer weichen Zahnbürste um die Schleimhäute nicht zusätzlich zu strapazieren.
  • Meiden Sie Nikotin und Alkohol.
  • Bevorzugen Sie weiche und flüssige Speisen.
  • Nehmen Sie häufiger kleinere Mengen zu sich und kauen Sie gründlich.

Tipps gegen Übelkeit und Erbrechen

  • Essen Sie mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt.
  • Trinken Sie viel und essen Sie langsam.
  • Nach dem Essen sollten Sie sich nicht sofort hinlegen.
  • Vermeiden Sie starke Essensgerüche.
  • Bei morgendlicher Übelkeit können Sie etwas Trockenes wie Zwieback, Haferflocken oder eine trockene Scheibe Brot essen.
  • Frisch aufgebrühter Ingwertee kann die Übelkeit lindern.
  • Atmen Sie tief und langsam durch wenn die Übelkeit kommt.

Tipps gegen Darmbeschwerden

  • Wenn es Ihr Gesundheitszustand erlaubt, bewegen Sie sich viel.
  • Warme Getränke sollten Sie auf nüchternen Magen trinken.
  • Nehmen Sie viele ballaststoffreiche Lebensmittel zu sich.
  • Trinken Sie viel.
  • Verwenden Sie ggf. nach Rücksprache mit Ihrem Arzt Abführmittel.

Tipps gegen Blähungen

  •  Auch bei Blähungen wirkt sich Bewegung positiv aus.
  • Machen Sie sich heiße und feuchte Bauchwickel.
  • Meiden Sie blähende Lebensmittel wie z.B. Kohl oder Hülsenfrüchten und schnell resorbierbare Kohlehydrate wie Zucker, die ebenfalls eine blähende Wirkung haben.

Tipps bei Durchfall

  • Verzichten Sie auf gebratene und fette Speisen sowie scharfe Gewürze, Alkohol und Kaffee.
  • Essen Sie Kefir und Joghurt, Gemüsesuppen, Kartoffeln, gedünstetes Gemüse sowie blähungsfreie leichte und ballaststoffarme Gerichte.
  • Achten Sie darauf viel zu trinken, gerne stilles Mineralwasser oder ungesüßte Tees.

Weitere wertvolle Informationen erhalten Sie z. B. auch in der Broschüre: Leben und Genuss, Essen und Trinken bei Krebs.

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© Dr. Dorothee Higgins | Frauenärztin in Alfter bei Bonn
 Chateauneufstr. 5   53347 Alfter   Telefon 0228/641031

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