11.01.2018

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

In Deutschland leidet jede siebte Frau unter einem Schwangerschaftsdiabetes. Wir erklären Ihnen, wie die Erkrankung festgestellt wird und was Sie tun können, wenn Sie betroffen sind.

Als Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet man eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, die erstmals während einer Schwangerschaft auftritt bzw. diagnostiziert wird. Dabei werden Kohlenhydrate nur verzögert verwertet, wodurch der Blutzucker bei der Mutter und folglich auch beim Kind zu hoch ist. Die Erkrankung verschwindet meist nach der Entbindung wieder, es bleibt aber ein erhöhtes Risiko für die Schwangere in späteren Jahren einen Diabetes mellitus zu entwickeln. Ein erhöhtes Risiko für die Entstehung dieser Form von Diabetes besteht bei Übergewicht der Schwangeren, bei Diabetes im engeren Familienkreis und bei einem eigenen Geburtsgewicht der Mutter von mehr als 4.000 Gramm.

Welche Folgen hat ein Schwangerschaftsdiabetes?

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes nicht entdeckt und behandelt, wächst das Baby zu schnell, wird zu schwer und zu groß und hat dadurch ein deutlich höheres Risiko später selbst an Typ II Diabetes zu erkranken und an Übergewicht zu leiden. In der Schwangerschaft bedeutet die Erkrankung mehr Komplikationen: Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter gelangt die Glukose durch die Plazenta und die Nabelschnur zum Kind, wo die Insulinproduktion hochgefahren wird. Aus diesem Grund nimmt das Kind schnell an Gewicht und Größe zu, was man als fetale Makrosomie bezeichnet. Außerdem bildet sich zu viel Fruchtwasser. Die Folgen: mehr Frühgeburten, kompliziertere Geburtsverläufe durch die Größe des Kindes wie eine längere Geburtsdauer, eine höhere Kaiserschnittrate oder häufigere Anpassungsstörungen (d.h. Atemstörungen) nach der Geburt. Unbehandelt neigen Gestationsdiabetikerinnen dazu öfter Harnwegsinfekte, Bluthochdruck oder eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) zu entwickeln.

Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?

Ein Schwangerschaftsdiabetes verläuft meistens ohne irgendwelche Symptome, d.h. ein vermehrtes Durstgefühl oder häufiges Wasserlassen wie bei einem Diabetes mellitus tritt nicht auf. Deshalb wird seit 2012 jeder Schwangeren laut gesetzlicher Mutterschaftsvorsorge ein Suchtest auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten. Zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche – einem günstigen Zeitfenster für die Entdeckung eines Schwangerschaftsdiabetes – wird in der Frauenarztpraxis ein sogenannter Vortest durchgeführt, bei dem die Schwangere eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Glukose zu trinken bekommt. Für diesen Vortest brauchen Sie nicht nüchtern zu sein. Nach einer Stunde wird der Blutzucker aus dem Blut bestimmt. Nur wenn dieser Test auffällig ist, wird ein zweiter aufwändigerer zweistündiger Test (der orale Glukosetoleranztest) angeschlossen, bei dem die Schwangere nüchtern in die Praxis kommen muss. Es nehmen übrigens etwa 80% aller Schwangeren am Zuckertest teil.

Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Um die Gefahren für Mutter und Kind zu minimieren, sollte ein Schwangerschaftsdiabetes unbedingt behandelt werden. Das ist meistens auch gut möglich. Normalerweise wird die Schwangere in einer Diabetesschwerpunktpraxis intensiv zum Thema Ernährung beraten und in Blutzuckerselbstkontrollen eingewiesen. Bei den meisten schwangeren Frauen reicht das aus und die Einstellung des Blutzuckers erfolgt über die Ernährung. Manchmal gelingt allerdings so keine optimale Blutzuckereinstellung, sondern die Schwangere muss auf Insulin eingestellt werden. Auch hier brauchen Sie sich keine Sorgen machen. In diesem Fall werden Sie von einem Diabetologen bzw. einer Diätassistentin und Ihrem Frauenarzt begleitet und betreut, die Ihnen alles genau zeigen und erklären.

Blutzuckereinstellung über die Ernährung

Erfolgt die Behandlung der Schwangerschaftsdiabetes über die Ernährung sollten Sie statt drei großer, fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten pro Tag mit einer gleichmäßigen Kohlenhydratverteilung einnehmen. Bevorzugen Sie dabei kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornnudeln, Reis, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Sie werden langsamer verdaut und gelangen verzögert ins Blut. Meiden Sie dagegen ballaststoffarme Getreideprodukte wie Weißbrot, die einen schnellen Blutzuckeranstieg bewirken. Süße Getränke wie Limonade, Cola oder Eistee ersetzen Sie am besten durch Mineralwasser oder Kräutertees. Süßwaren wie Kuchen, Schokolade oder Gebäck sollten Sie nur in kleinen Mengen verzehren. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen werden nüchtern und etwa eine Stunde nach den Malzeiten empfohlen.

Quellen: Deutsche Diabetes Gesellschaft, Frauenärzte im Netz

Haben Sie Fragen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes? Sprechen Sie uns an oder vereinbaren Sie einen Termin. In einem persönlichen Gespräch klären wir Ihre individuellen Fragen gerne.

© Dr. Dorothee Higgins | Frauenärztin in Alfter bei Bonn
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