02.02.2017

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Bei ihrer ersten Vorsorgeuntersuchung werden schwangere Frauen meistens gefragt, ob sie sich auf Toxoplasmose testen lassen möchten. Um diese Entscheidung zu erleichtern, haben wir Ihnen die wichtigsten Informationen zum Thema zusammengestellt.

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch die Parasiten ‚Toxoplasma gondii’ verursacht wird und überwiegend Katzen befällt, die deren Eier mit ihrem Kot ausscheiden. Daher kann man sich über das Katzenklo oder über verunreinigte Erde z.B. bei der Gartenarbeit mit Toxoplasmose infizieren. Eine andere Infektionsquelle sind rohes und nur mäßig erhitztes Fleisch oder Wurstwaren (z.B. halbgares Steak, Mettbrötchen) oder ungewaschenes und dadurch verunreinigtes Obst und Gemüse.

Wie verläuft eine Infektion mit Toxoplasmose?

Eine Infektion verläuft bei gesunden immunkompetenten Menschen meistens unbemerkt. Rund 80 bis 90 Prozent der Kinder und Erwachsenen bemerken die Infektion nicht einmal. Sie verursacht manchmal grippeähnliche Symptome mit Fieber und Lymphknotenschwellungen im Kopf- und Halsbereich sowie Muskelschmerzen. Extrem selten sind eine Bindehaut- oder eine Hirnhautentzündung (Enzephalitis). 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland besitzen bereits Antikörper gegen Toxoplasmose. Außerhalb einer Schwangerschaft ist die Infektion harmlos und heilt fast immer folgenlos aus.

Warum ist eine Infektion mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft gefährlich?

Eine Erstinfektion in der Schwangerschaft kann dem ungeborenen Kind sehr schaden und bei ihm u.a. zu schwerwiegenden neurologischen Schäden bis hin zu schweren Beeinträchtigungen des Sehvermögens führen. Toxoplasmose ist eine der häufigsten pränatalen Infektionen, die durch ein allgemeines Screening aller Schwangeren verhindert werden könnte. In Frankreich wird ein solches allgemeines Screening bereits durchgeführt. Dies ist aber leider in Deutschland bis heute nicht in den Mutterschaftsrichtlinien verankert und somit keine Routine- bzw. Standarduntersuchung. Dem Robert Koch-Institut (RKI) werden jährlich acht bis 23 im Mutterleib mit Toxoplasmose infizierte Ungeborene gemeldet. Eine erheblich höhere Dunkelziffer ist allerdings wahrscheinlich. Neuere Studien gehen von etwa 1.300 fetalen Infektionen und ca. 345 Neugeborenen mit klinischen Symptomen aus (Quelle: RKI). Das bedeutet, dass die meisten Infektionen nicht erfasst werden.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit Toxoplasmose infiziere?

Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion des Kindes im Mutterlein hängt von mehreren Faktoren ab: vom Immunsystem der Schwangeren, der Menge der aufgenommenen Parasiten und dem Alter der Schwangerschaft. Mit fortschreitender Dauer der Schwangerschaft nimmt zwar das Risiko einer Übertragung auf das ungeborene Kind zu, andererseits nimmt aber die Schwere des Krankheitsbildes ab. Im ersten Schwangerschaftsdrittel liegt die Wahrscheinlichkeit der Übertragung der Krankheit über die Plazenta auf das Kind bei 15 Prozent, im letzten Drittel steigt sie auf 60 Prozent an.

Welche Symptome hat ein infiziertes Baby?

Das größte Risiko für schwere Schäden beim Embryo besteht bei einer Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel. In diesem Zeitraum kann eine unbehandelte Toxoplasmose den Embryo schwer schädigen und führt häufig zu einer Fehlgeburt. Typische Symptome bei einer Infektion im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel sind Entzündungen im Auge (Chorioretinitis), die bis zur Erblindung führen können, Hydrocephalus (Wasserkopf) sowie Verkalkungen im Gehirn, die Hirnschäden zur Folge haben können. Auch andere Organe des Babys können geschädigt werden. Bei Infektionen im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel zeigen die Mehrzahl der infizierten Kinder direkt nach der Geburt keine Symptome. Erst im Laufe von Monaten oder auch noch nach Jahren können sogenannte Spätmanifestationen auftreten. Dazu zählen: Augenschäden durch Entzündungen (Chorioretinitis), Epilepsie, geistige Behinderungen, Lernschwierigkeiten, Lähmungen (Zerebralparese) oder ein Wasserkopf (Hydrocephalus).

Sollte ich mich auf Toxoplasmose testen lassen?

Am besten klären Sie in einem Gespräch mit Ihrer Frauenärztin, wie hoch Ihr individuelles Infektionsrisiko ist. Insbesondere wenn Sie mit Katzen zusammen leben, vor allem mit frei laufenden Tieren, ist ein Test empfehlenswert. Der Test ist leider keine Kassenleistung und von den Patientinnen selber zu tragen. Mit einem Bluttest kann über einen Nachweis von Antikörpern festgestellt werden, ob Sie in der Vergangenheit bereits ob Sie in der Vergangenheit bereits eine Infektion mit Toxoplamose durchgemacht haben. Dann sind sie geschützt und es besteht keine Gefahr für Ihr Baby.

Wie sollte ich mich bei einem negativen Testergebnis verhalten?

Zeigt der Bluttest keine Immunität gegen Toxoplasmose, sollten Sie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  • Meiden Sie rohe und nur mäßig erhitzte Fleisch- und Wurstwaren. Eine sichere Abtötung von Toxoplasmen ist laut Robert Koch-Institut erreicht, wenn Fleisch über 20 Minuten auf mindestens 50 Grad erhitzt wird.
  • Sollten Sie Katzen haben, lassen Sie das Katzenklo von anderen Personen reinigen.
  • Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit Katzen gründlich die Hände.
  • Obst und Gemüse sollten Sie vor dem Verzehr sorgfältig waschen.
  • Tragen Sie Handschuhe bei der Gartenarbeit.
  • Waschen Sie sich vor dem Essen, nach der Zubereitung von rohem Fleisch, nach Garten- und Erdarbeiten oder dem Besuch von Sandspielplätzen die Hände.

Kommt es trotzdem in der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion, ist eine langfristige über Wochen dauernde Behandlung mit Antibiotika erforderlich. Hiermit lassen sich Folgeschäden häufig vermeiden. Ist das Kind dann geboren, wird es im ersten Lebensjahr auch antibiotisch weiterbehandelt.

Haben Sie Fragen zum Thema Toxoplasmose, berate ich Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.

© Dr. Dorothee Higgins | Frauenärztin in Alfter bei Bonn
 Chateauneufstr. 5   53347 Alfter   Telefon 0228/641031

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