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Kein Grund zur Panik bei vorzeitigen Wehen – alles Wissenswerte im Überblick

Ein Ziehen im Bauch, das ist in der Schwangerschaft ganz normal – auch wenn es manchmal etwas länger anhält. Trotzdem ist ein solches Gefühl für viele Schwangere verunsichernd. Insbesondere Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, bekommen es in solchen Situationen schnell mit der Angst zu tun. In den meisten Fällen gibt es aber keinen Grund zur Sorge, denn es handelt sich normalerweise nicht um vorzeitige Wehen, sondern um sogenannte Übungswehen.

Aber wie lassen sich diese beiden Arten von Wehen unterscheiden? Und wie kommt es überhaupt zu vorzeitigen Wehen? Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen und was Sie tun sollten, wenn es bei Ihnen tatsächlich einmal zu vorzeitigen Kontraktionen kommt.

Wie unterscheidet man zwischen Übungswehen und vorzeitigen Wehen?

Die Angst vor einer Frühgeburt ist für die meisten werdenden Eltern sehr real, daher empfinden Frauen vorzeitige Wehen meist als sehr bedrohlich. Umso wichtiger ist es, dass sie diese Art von Wehen von Übungswehen unterscheiden können. Übungswehen treten meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf – vereinzelt schon ab der 20. bis 25. Schwangerschaftswoche, ab der 32. SSW dann auch häufiger und stärker. Dabei „übt“ der Körper schon einmal, denn während der Geburt muss die Gebärmutter Schwerstarbeit verrichten, um das Kind auf die Welt zu bringen. Die Übungswehen haben also eine ähnliche Funktion wie das Training eines Sportlers – denn auch der kann sich nicht über Wochen ausruhen und dann auf einmal Höchstleistungen erbringen.

Übungswehen sind im Gegensatz zu echten (vorzeitigen) Wehen aber in den meisten Fällen nicht schmerzhaft. Die betroffenen Frauen spüren ein Ziehen und der Bauch wird hart. Die Kontraktionen sind in der Regel relativ schwach und treten nur unregelmäßig auf. Oft bemerken Frauen Übungswehen im Alltag kaum oder sogar gar nicht. Treten die Wehen dagegen in regelmäßigen Abständen und länger anhaltend auf, sind das Anzeichen für vorzeitige Wehen. In diesem Fall sollten Sie unbedingt Ihren Arzt oder Ihre Hebamme aufsuchen.

Allgemein gelten die folgenden Anzeichen als ein Hinweis auf vorzeitige Wehen: H3

  • mehr als 10 bis 15 Kontraktionen innerhalb von 24 Stunden
  • Kontraktionen dauern länger als 30 Sekunden an
  • Wehen sind schmerzhaft

Alternativ wird bei der Betrachtung die Häufigkeit der Wehen beobachtet

Um die 25. SSW gelten zwei Wehen pro Stunde, um die 37. SSW dann bis zu fünf Wehen pro Stunde als vorzeitige Wehen, sofern diese regelmäßig auftreten und schmerzhaft sind.

Wie Sie anhand dieser etwas uneinheitlichen Kriterien sehen, ist es aber selbst für Experten nicht möglich, nur mit Hilfe der Frequenz und Intensität zu bestimmen, um welche Art von Wehen es sich handelt. Für betroffene Schwangere ist diese Unterscheidung also noch schwieriger. Die genannten Anzeichen können zwar einen ersten Hinweis geben, im Zweifelsfall sollten Sie aber zum Wohle Ihres Babys Ihren Arzt oder Ihre Hebamme aufsuchen. Selbstverständlich stehen wir Ihnen in unserer Praxis jederzeit zur Verfügung und helfen Ihnen bei Fragen und Problemen gerne weiter.

Quellen:

www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/vorzeitige-wehen-was-jetzt-hilft

www.baby-und-familie.de/Schwangerschaft/Uebungswehen-oder-echte-Wehen-200585.html

Wie bestimmt der Arzt, ob vorzeitige Wehen aufgetreten sind?

Mit einem Ultraschall beim Arzt lässt sich zweifelsfrei klären, ob es sich um vorzeitige oder Übungswehen handelt, denn letztere wirken nicht auf den Muttermund. Bei echten Wehen verkürzt sich der Hals der Gebärmutter und der Muttermund wird weicher – damit bereitet sich der Körper auf die Geburt des Babys vor.

Ergänzend kommt oft auch der sogenannte „Wehenschreiber“ (CTG) zum Einsatz. Mit dem erstellten Kardiotokogramm können Stärke und Frequenz der Wehen bestimmt werden, was ebenfalls Hinweise auf die Art der Wehen gibt.

Ein noch relativ neues und daher seltener eingesetztes Verfahren ist der sogenannte Fibronektin-Test. Dabei wird ein Abstrich in der Vagina gemacht, um erhöhte Fibronektin-Konzentrationen feststellen zu können. Fibronektin ist ein Eiweißstoff, der dafür sorgt, dass die Fruchtblase an der Gebärmutter haftet. Ist in der 22. bis 35. SSW vermehrt Fibronektin in der Vagina festzustellen, ist das ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Fällt das Ergebnis des Testes dagegen negativ aus, lasst sich mit 99-prozentiger Sicherheit sagen, dass es in den nächsten zwei Wochen nicht zu einer Geburt kommen wird. Der Fibronektin-Test eignet sich also sehr gut, Wehen und die Gefahr einer Frühgeburt realistisch einzuschätzen, zumal er sich während der Schwangerschaft problemlos mehrfach durchführen lässt.

Quellen:

www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/vorzeitige-wehen-was-jetzt-hilft

www.baby-und-familie.de/Schwangerschaft/Was-tun-bei-vorzeitigen-Wehen-539251.html

Wie kommt es zu vorzeitigen Wehen?

Gründe für vorzeitige Wehen während der Schwangerschaft gibt es viele. Einige Faktoren können Sie als Schwangere selbst beeinflussen und so das Risiko, dass Ihr Baby zu früh auf die Welt kommt, minimieren. Denn die Gefahr einer Frühgeburt ist auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts durchaus noch real: Jedes Jahr werden hier rund 50.000 Kinder zu früh geboren und nur etwa in jedem zehnten Fall wird das Baby absichtlich vor dem eigentlichen Entbindungstermin geholt. In den anderen Fällen kommt es meist zu vorzeitigen Wehen, einem verfrühten Platzen der Fruchtblase oder einer unerwarteten Öffnung des Muttermunds, bevor das Baby auf die Welt kommt.

Wollen Sie Ihr Baby und seine Gesundheit schützen, sollten Sie auf die folgenden Auslöser einer Frühgeburt achten:

  • Stress und ungünstige Lebensbedingungen
  • ungesunde Ernährung und Lebensweise (falsche Ernährung, Alkohol- oder Nikotinkonsum)
  • Über- oder Untergewicht
  • Schwangerschaft bei sehr jungen oder älteren Frauen (unter 18 oder über 35 Jahre)
  • vorherige Früh- oder Fehlgeburten
  • Zwillingsschwangerschaft
  • Fehlentwicklungen der Plazenta, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter selbst
  • Infektionen der Vagina

Natürlich haben Sie viele diese Auslöser während der Schwangerschaft nicht selbst in der Hand, Ihre Ernährung und Lebensumstände können Sie jedoch beeinflussen – insbesondere letztere können sich sehr stark auf das Risiko einer Frühgeburt des Babys auswirken. Stress ist ein häufiger Auslöser für vorzeitige Wehen.

Hinzu kommt, dass Stress sich negativ auf das Immunsystem auswirkt, sodass andere Auslöser, wie etwa eine Infektion in der Vagina, leichter auftreten können. Bei sehr schlanken Frauen ist das Bindegewebe meist sehr fest, während bei übergewichtigen Frauen das Fettgewebe zusätzlich auf die Gebärmutter drückt – beides kann vorzeitige Wehen begünstigen.

Übrigens: Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft verursacht keine vorzeitigen Wehen. Sie können also auch weiterhin mit Ihrem Partner Sex haben, während Sie schwanger sind. Nur wenn vorzeitige Wehen auftreten, sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten, denn die im Sperma enthaltenen Prostaglandine können die Kontraktionen verstärken.

Quellen:

www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/vorzeitige-wehen-was-jetzt-hilft

www.netdoktor.de/schwangerschaft/vorzeitige-wehen/

www.baby-und-familie.de/Schwangerschaft/Was-tun-bei-vorzeitigen-Wehen-539251.html

Wie können vorzeitige Wehen behandelt werden?

Da die Ursachen für vorzeitige Wehen sehr vielfältig sind, kommt auch eine Reihe von Behandlungsmethoden in Frage. Einige Ursachen, wie beispielsweise Zwillingsschwangerschaften oder eine vorangegangene Frühgeburt, lassen sich natürlich nicht direkt behandeln. Allerdings wird in solchen Fällen die Schwangere besonders genau beobachtet, zudem lässt sich eine Geburt mit verschiedenen medizinischen Verfahren zumindest für eine gewisse Zeit hinauszögern.

Da Stress ein häufiger Auslöser für verfrüht auftretende Wehen ist, wird oft gar keine besondere medizinische Behandlung benötigt

Die betroffenen Frauen brauchen in einem solchen Fall vor allem erst einmal Ruhe. Außerdem müssen Stressfaktoren im Leben der Schwangeren natürlich ausgeschaltet werden, damit es nicht noch einmal zu vorzeitigen Wehen kommt. Was das im konkreten Fall bedeutet, ist für jede Schwangere unterschiedlich. Ist die Frau zum Beispiel noch berufstätig, kann eine Reduzierung der Arbeitszeit bereits einen großen Unterschied machen. Spielen Unstimmigkeiten oder Streit im privaten Umfeld eine Rolle, sollten diese bereinigt werden. Fordern Sie ruhig mehr Nachsicht und Verständnis ein, denn eine Schwangerschaft ist eine beträchtliche körperliche Belastung, die man nicht einfach so abtun kann. Zusätzlich können Entspannungsübungen, wie beispielsweise autogenes Training, dabei helfen, den Stress während der Schwangerschaft zu reduzieren. Werden die Übungen mehrfach pro Woche angewandt, lässt sich das allgemeine Wohlbefinden deutlich verbessern.

Besteht die akute Gefahr einer Frühgeburt, setzen Ärzte häufig sogenannte Tokolytika ein

Diese Medikamente hemmen die Aktivität der Gebärmutter und schwächen somit die Wehen ab. Sie können allerdings nur zwischen der 24. und der 34. SSW angewandt werden, zudem sollten Sie sie aufgrund der Nebenwirkungen nicht länger als zwei Tage einnehmen. Tokolytika können also nur sehr kurzfristig Abhilfe schaffen, um zum Beispiel durch die Gabe von Kortison die Entwicklung der Lungen beim Baby voranzutreiben. Alternativ werden statt Tokolytika Magnesium in hoher Konzentration oder Progesteron verabreicht, wobei Magnesium aufgrund der Nebenwirkungen durchaus umstritten ist.

Sind Erkrankungen wie eine Scheideninfektion der Auslöser für die vorzeitigen Wehen, werden diese medikamentös behandelt

Unter Umständen kann auch ein Verschluss des Muttermunds sinnvoll sein, um zu verhindern, dass Krankheitserreger von der Vagina in die Gebärmutter gelangen.

Hat sich der Muttermund bereits geöffnet?

Hier wurde früher häufiger versucht, mit Hilfe einer Zervix-Cerclage eine Frühgeburt zu verhindern. Dabei wird in der 14. bis 16. SSW ein Band um den Muttermund gelegt, das dann zusammengezogen und vor der Geburt wieder entfernt wird. Allerdings hat sich die Cerclage nach Ansicht vieler Experten in den meisten Fällen als wirkungslos erwiesen. Nur wenn der Muttermund von Anfang an zu schwach ist, das Kind zu halten, kann eine Cerclage sinnvoll sein. Alternativ dazu wird auch das Cerclage-Pessar eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Gummiring, das ebenfalls um den Muttermund gelegt wird, der aber nicht zugezogen werden muss. Das erleichtert es, den Ring einzusetzen, die Wirkung ist jedoch ähnlich wie bei der Cerclage.

Im Folgenden noch einmal die verschiedenen Behandlungsmethoden in der Übersicht:

BehandlungsmethodeIndikation
Tokolytikaakute vorzeitige Wehen in der 24. bis 34. SSW, aufgrund der Nebenwirkungen auf zwei Behandlungstage begrenzt
Progesteronakute vorzeitige Wehen in der 24. bis 34. SSW
Magnesiumakute vorzeitige Wehen in der 24. bis 34. SSW, aufgrund der Nebenwirkungen umstritten
Antibiotikainfektiöse Erkrankungen, insbesondere der Vagina
Zervix-Cerlage/ Cerclage-PessarSchwäche des Muttermunds oder Zervixverkürzung, nicht nach der 28. SSW anwendbar
Entspannungsübungen/ Stressreduktionbei stressbedingten Komplikationen

Quellen:

www.netdoktor.de/schwangerschaft/vorzeitige-wehen/

www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/vorzeitige-wehen-was-jetzt-hilft

www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/vorzeitige-wehen-was-jetzt-hilft